Main-Kinzig-Kreis
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Bei ihr fing es mit Anrufen an. Erst tagsüber, später auch nachts. Der Anrufbeantworter quoll über mit Liebesbeteuerungen, wüsten Bedrohungen und gemeinen Verleumdungen.
Sie kennt den Anrufer gut, zu gut. Lange Zeit waren sie ein Paar gewesen, dann trennte sie sich. Seitdem, genauer gesagt seit sechs Jahren, stellt ihr Ex-Partner ihr nach, bedroht sie, stalkt sie. Im Laufe der Zeit wurde es schlimmer und das Verhalten des Stalkers aggressiver.

Neben dem Auflauern vor ihrer Wohnung oder ihrer Arbeit, zerstach ihr Ex-Partner mehrmals ihre Autoreifen. Er hängte intime Briefe aus der gemeinsamen Zeit in der Nachbarschaft aus. Und bedrohte sogar die Tochter. Aus Angst vor weiteren Nachstellungen zog sie mehrmals um. Das Gefühl ihm schutzlos ausgeliefert zu sein, wuchs mit jedem Mal. Aber ihrem Peiniger gelang es immer wieder, sie zu finden.

Stalking bedeutet das wiederholte Verfolgen, Nachstellen oder penetrante Belästigen einer Person. Stalking ist ein Gewaltverbrechen und hat vielfältige Erscheinunen.

Wie sollten Sie sich verhalten, wenn Sie Opfer eines Stalkers geworden sind? Hier finden Sie die wichtigsten Tipps:

  • Machen Sie dem Stalker sofort und unmissverständlich klar, dass Sie keinerlei Kontakt mehr wünschen. Bleiben Sie dann konsequent und reagieren Sie nicht auf Kontaktversuche!
  • Öffentlichkeit kann Sie schützen: Informieren Sie Ihr gesamtes Umfeld (z. B. Ihre Familie, Freunde, Arbeitskollegen und Nachbarn).
  • Bei einer akuten Bedrohung (z. B. wenn der Stalker Sie verfolgt, in Ihre Wohnung eindringt, ein Angriff bevorsteht) alarmieren Sie die Polizei über den Notruf 110. Verfolgt Sie ein Stalker im Auto, fahren Sie zur nächsten Polizeidienststelle.
  • Dokumentieren Sie alles, was der Stalker schickt, mitteilt oder unternimmt in eineKalender, damit Sie, falls erforderlich, Fakten und Beweismittel haben.
  • Persönliche Daten gehören nicht in den Hausmüll! Gehen Sie sorgsam mit Unterlagen um, auf denen sich Ihre persönlichen Daten befinden (z. B. Briefpost, Katalogsendungen, Werbebroschüren, Zeitschriften-Abonnements).
  • Lassen Sie sich bei Telefonterror und anderen Stalking- Handlungen, z. B. via PC (sog. Cyber-Stalking), über technische Schutzmöglichkeiten (geheime Rufnummern, Fangschaltung, Anrufbeantworter, Handy, Zweitanschlüsse, E-Mail-Adresse etc.) beraten.
  • Teilen Sie Personen Ihres Vertrauens Ihre Sorgen und Ängste mit. Scheuen Sie sich nicht, bei Gesundheitsproblemen ärztliche und/oder psychotherapeutische Hilfseinrichtungen aufzusuchen.
  • Es hilft, Anzeige bei der Polizei zu erstatten! Von wenigen Ausnahmen abgesehen, hat sich gezeigt, dass vor allem schnelles und konsequentes Einschreiten der Polizei gegen den Stalker Wirkung zeigt und die Belästigungen nach einer Anzeige häufig aufhören.
  • Um sich vor Stalking zu schützen, können Sie beim Amtsgericht eine „Einstweilige Verfügung / Schutzanordnung“ erwirken.
  • Die Stiftung des WEISSEN RINGS hat eine spezielle App entwickelt, die Sie bei der Dokumentation von Stalking-Taten unterstützt. Mehr dazu auf youtube hier.